History

Beiträge mit historischem Bezug.

byteMyStork Gürtel in Anthrazit (3cm) mit Western Gürtelschnalle

Wie ethisch ist der Kauf eines Ledergürtels?

Jeans tragen sich angenehm, sind haltbar und erschwinglich und sehen mit der Zeit durch Abnutzung immer besser aus. Die gleichen Eigenschaften haben Produkte aus Echtleder, zum Beispiel Rindsledergürtel.
Mit gutem Leder ist es wie mit guten Jeans: es sieht durch Gebrauch und natürliche Alterung mit der Zeit immer besser aus. Manche nennen es Patina, andere Vintage.
Abgesehen von diesen sehr positiven Eigenschaften stellt sich aber die Frage, wie ethisch der Kauf eines Produkts aus Naturleder ist?

Im Folgenden versuche ich, der ich seit 30 Jahren aus ethischen Gründen Vegetarier bin, diese Frage ohne Voreingenommenheit zu beantworten. Das Ergebnis wird dich möglicherweise überraschen.

Welches ist das “beste” Material für Gürtel?

Gürtel sind in verschiedenen Materialien verfügbar:
– Leder
– Kunstleder
– Textil
– Kombinationen aus den oben genannten

Ohne Berücksichtigung der ethischen Frage ist Leder aus Verbrauchersicht den anderen Materialien deutlich überlegen: Reißfestigkeit, Haltbarkeit und Haptik sind bei guten Ledergürteln im Vergleich zu den Alternativen unübertroffen.

Für Ledergürtel wird in den allermeisten Fällen Rindsleder verwendet. Sehr viel seltener sind Gürtel aus Pferdeleder (Cordovan) bzw. Krokodilleder. Letztlich ist Rindsleder wegen seiner besseren Eigenschaften und der guten Verfügbarkeit das mit Abstand am häufigsten verwendete Leder für Gürtel.

Rindsleder-Eigenschaften

Für einen guten Gürtel aus Rinderleder braucht es sehr gutes Leder und eine sorgfältige Herstellung.

Hier die wichtigsten Eigenschaften von Rindsleder für die Herstellung von Gürteln:
– extrem reißfest
– sehr haltbar
– sehr gut färbbar
– ausreichende Längen verfügbar (oft bis 150cm)
– durch Varianz der Gerbverfahren können verschiedene Eigenschaften beeinflusst werden
– vielfältig gestaltbar, z.B. über vollflächige Prägungen

Trocknung
Trocknung von Rinderleder in der Gerberei Kobel
Janine in Blue Jeans

7 Fragen zum Unterschied zwischen Jeans und anderen Hosen

Die Fragen beantwortet Marco Rahn von BYTEMYSTORK

Was ist der Unterschied?

Zum einen sind da die “Zutaten” einer Jeans, also die Baumwolle, der 5 Pocket-Schnitt, die Köperbindung und die Indigo-Färbung. Außerdem noch die Nieten und Knöpfe aus Metall, das Label-Patch und die Kontrastnähte. Zum anderen vermitteln Jeans ein Lebensgefühl, das sich am besten mit Freiheit, Unabhängigkeit beschreiben lässt.

“Freiheit”? Geht’s nicht eine Nummer kleiner?

Als in Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Jugend anfing, Jeans zu tragen, war das auch ein Zeichen von Rebellion. Heute dagegen gehören Jeans durch alle Gesellschaftsschichten und Altersklassen hindurch zur Standard-Garderobe. Aber .. einer Jeans hängt auch immer etwas Imperfektes an. Auswaschungen und aufgeriebener Stoff sind nur die sichtbarsten Zeichen. Jeans wollen gar nicht perfekt sein. Gute Jeans altern mit Würde und sehen mit der Zeit immer besser aus. Im Gegensatz zu Anzughosen und Jogginghosen zum Beispiel.

Du hattest vorhin etwas zu “Köder” oder so gesagt ..

Köper! So heißt die typische Webart, mit der Jeansstoff gewebt wird. Während bei der Leinwandbindung immer “eins drunter, eins drüber” gilt, ist es bei der Köperbindung meist “drei drunter, eins drüber”. Deshalb sind die meisten Blue Jeans auf der Innenseite heller als auf der Außenseite.
..
Jetzt solltest du nach der Baumwolle fragen.

Was ist mit der Baumwolle?

Baumwolle ist DAS Ausgangsmaterial für Jeansstoff schlechthin. Je geringer der Baumwollanteil einer Jeans, desto weniger wird sich die Hose wie eine Jeans tragen und auch weniger wie eine Jeans aussehen. Leinen und Hanf sind z.B. tolle Materialien, aber wenn ihr Anteil im Jeansstoff zu groß wird, fällt der Stoff nicht mehr wie bei einer richtigen Jeans und die Hose trägt sich auch anders.

Und der Schnitt?

Die ersten Jeans hatten ja nur vier Taschen: die beiden vorderen, die kleine vordere Münztasche und die rechte hintere Tasche, die aufgesetzt ist. Die linke hintere Tasche kam als fünfte Tasche erst später dazu. Dieser 5 Pocket-Schnitt und der Jeans-typische Reißverschluss-Stil, der schmale Saum am Beinabschluss und einigen anderen Dinge machen den Jeans-Stil aus.

Wieso aber die Farbe? Schwarze Jeans sind doch auch Jeans, oder habe ich was verpasst?

Die klassische Blue Jeans ist aus Indigo-gefärbtem Stoff. Indigo ist zu allererst ein lausiger Farbstoff. Die Farbe liegt nur auf der Faser auf und ist zudem nicht lichtecht. D.h. dass Gebrauch und Licht die Farbe der Hose verblassen lassen. Genau das ist es aber, dass die Jeans mit der Zeit so gut aussehen lässt. Bei andersfarbigen Jeans wird dieser Effekt nachgeahmt, so dass sich diese vergleichbar verhalten.

Was lernen wir daraus?

Achte mal darauf, wie unecht eine Jeans auf dich wirkt, wenn mehr als eine der “Zutaten” Baumwolle, 5 Pocket-Schnitt, Köperbindung und Indigo-Farbstoff ersetzt wurden. Eine Jeans mit Chino-Schnitt wirkt noch halbwegs wie eine Jeans, wenn der Rest stimmt. Nimmst Du jetzt aber eine andere Farbe, ist es eher eine Chino. Oder wenn der Baumwolle zu viel Kunstfasern beigemischt werden. Sie liegt dann am Körper eher schlauchförmig an oder fällt einfach nur glatt runter. Wenn dann noch das Taschen-Design Jeans-untypisch ist, sieht’s meist einfach nur schlecht aus. Also .. stay pure!

Janine in Blue Jeans
Vor allem der Ausgangsstoff Baumwolle, der Schnitt, die Webart und die blaue Farbe machen Jeans zu Klassikern

Links

Unsere Marken

Blaumann-Jeans in Bad Vilbel

7 Fragen an Blaumann

Das Interview führte BYTEMYSTORK mit Christian Hampel, Geschäftsführer Blaumann-Jeans

Blaumann klingt nach Arbeitsbekleidung. Heißt, ihr macht noch Jeans wie zu den „guten alten Zeiten“, als es noch Arbeitshosen waren?

Ja und nein, aber eher nein. Ja, weil wir die Stoffe unserer Klassik-Linie auf alten Schützenwebstühlen weben lassen. So wie damals halt. Und nein, weil wir unsere Organic-Modelle verantwortungsvoll gegenüber Menschen und Umwelt produzieren. Außerdem waren die Jeans, als sie vornehmlich als Arbeitshosen getragen wurden, viel weiter, also seeeehr weit, geschnitten. Das würde heute niemand tragen. Heute ist die Jeans ein Stück life-style.

Schützenwebstühle?

Ja genau, mit Schiffchen und so.

Was ist so toll daran, außer alt?

Früher wurde Jeansstoff auf Webstühlen gewebt, die im Vergleich zu den heutigen Webstühlen sehr viel langsamer arbeiteten und schmalere Bahnen produzierten. Der Stoff hat eine geschlossene weiße Webkante, meistens mit einem farbigen Faden. Dieser Selvedge-Denim wird heute für die wirklich hochwertigen Jeans verwendet.

Und die macht ihr?

Absolut! Wir haben zwei Linien: unsere Klassik-Linie aus Selvedge in höchster Qualität und natürlich mit Knöpfen statt Reißverschluss. Für die harten Männer ..

.. wie bitte?

Na ja, für alle, die ihre Jeans beim Tragen spüren wollen. Selvedge-Jeans tragen ist ein Statement, das auch noch sehr gut aussieht. Übrigens tragen auch Frauen unsere Klassik-Modelle, nicht nur Männer.

Trotzdem, ist das nicht eine sehr kleine Zielgruppe?

Stimmt, ja. Aber es werden mehr. Und für alle anderen, die sich eine Jeans wünschen, die etwas anschmiegsamer beim Tragen ist und trotzdem gut aussieht, haben wir unsere Konzept-Linie. Die wird aus Biobaumwolle in Norditalien gefertigt. Die Selvedge-Modelle produzieren wir natürlich in Deutschland.

Ich will jetzt auch einen Blaumann. Wo bekomme ich den?

Überall, wo es wirklich gute Jeans gibt. Also z.B. bei BYTEMYSTORK in Bad Vilbel.

Blaumann-Jeans bei byteMyStork in Bad Vilbel
Blaumann-Jeans bei BYTEMYSTORK in Bad Vilbel

Links:

Blaumann Jeans im Online-Shop
BYTEMYSTORK bei Blaumann .. ein Interview
Blaumann-Jeanshosen Webseite

TORLAND Werbung

Bei TORLAND in Wien

“Was macht die Knackwurst genießbar? Das n.”
Die Brühwurst, oder mit Wiener Charme auch “Beamtenforelle” genannt, ist hier aber nicht das Thema.
Ich war für zwei Tage in Wien, um TORLAND und die Menschen, die für das Unternehmen stehen, kennenzulernen.

Gscheids Gwand

TORLAND ist eine Wiener Jeans-Marke. Sie wurde 2017 vom Schweizer Sascha Hümbeli gegründet. Das Unternehmen führt ausschließlich nachhaltig produzierte Produkte. Neben GOTS-zertifizierten Jeans für Damen und Herren auch T-Shirts, Pullover, Jacken, Gürtel und Socken. Außerdem gibt es Zweitverwertungen aus alten Jeans. Diese Upcycling Taschen und Schürzen werden in Wien bzw. Bangkok produziert.

deine WIENER MARKE fürs GSCHEIDS GWAND

Ich lerne Claudia Widlhofer und Sascha Hümbeli in Ihrem Flagship Store in der Landstraßer Hauptstraße (die heißt tatsächlich so) kennen. Dort erzählt mir der Gründer, wie er TORLAND aus dem Nichts aufgebaut hat und was er für die Zukunft plant (→ Herstellerportrait).

Blaumann Einnäher - gewebt und gefertigt in Deutschland 1920x640

Blaumann-Geschichte-Interview

Blaumänner in Hohenlohe

2020 wurden 172 Millionen Jeans nach Deutschland importiert. Hauptherkunftsländer waren Bangladesch, Pakistan und die Türkei [statista-jeans-importe].

Bis in die 1990er Jahre gab es in Deutschland noch industrielle Jeansproduktion. Doch durch den wettbewerbsbedingten Kostendruck, vor allem im Lohnbereich, wanderte die Produktion nach und nach ab. Erst nach Osteuropa, später Nordafrika, dann China. Heute gilt China bereits als zu teuer, so dass die Massenproduzenten nach Bangladesch und Pakistan weitergezogen sind.

Das Aussterben der Jeansfertigung in Deutschland bedeutet in der Konsequenz den Verlust von Fertigungskapazitäten, Fertigungs-Know-How und Arbeitsplätzen.

Guido Wetzels und Christian Hampel, Gründer aus dem Fränkischen und bis heute die Köpfe hinter Blaumann-Jeans, haben es sich zur Aufgabe gemacht zu beweisen, dass Jeansproduktion in Deutschland möglich ist. So wollen Sie dazu beitragen, ein beinahe ausgestorbenes Handwerk zu erhalten. Aus Freude an der Herausforderung. Und mit dem Anspruch, klassische Jeans ordentlich und verantwortungsvoll herzustellen.

Die Blaumann-Geschichte beginnt 2013. Zunächst stehen die Gründer vor der Frage, welche deutsche Unternehmen für Zulieferung und Fertigung infrage kommen. Und woher sie den Stoff beziehen.

Johann Ruttlof in seiner Werkstatt

Ruttloff in Dresden

Alles Handarbeit

Die Lausitzer Rundschau nannte ihn “Nietenhosenmanufakturist”. Klingt etwas bemüht, trifft es aber.
2007 hat er seine erste Jeans genäht. Für sich, später für Freunde. Daraus wurde etwas, das heute sehr selten in Deutschland ist: eine kleine Textilmanufaktur mit Kunden in Europa, USA und Asien. Das ist Johann Ruttloff in Dresden.
Ruttloff arbeitet nur mit hochwertigem japanischem Denim. Jeden Verarbeitungsschritt führt er selber aus – Design, Stoffwahl, Zuschnitt, Nähen, ..
Damit ist natürlich die Anzahl der Hosen, die er in seiner Werkstatt in der Dresdner Neustadt schaffen kann, stark begrenzt.

Eigene Kollektion

Er stellt individuelle Einzelmodelle nach Maß her und hat auch eine eigene Kollektion. Darüber hinaus stellt er für Händler in aller Welt Kleinstserien her. Aus diesem Grund habe ich ihn in Dresden besucht. Wir haben das Design für ein Herrenmodell “BYTEMYSTORK by Ruttloff-Jeans” besprochen. Soviel kann ich schon verraten: es wird ein straigth fit, 14oz Kuroki raw denim. Natürlich 100% Biobaumwolle. Der Stoff entwickelt eine geniale, kernige Waschung; eher industry-mäßig.

Für mich ist solch eine Jeans der Inbegriff der Nachhaltigkeit. Ausgangspunkt ist Biobaumwolle, hochwertig gewebt und gefärbt in Japan und dann anschließend in Deutschland in einer limitierten Serie von maximal 25 Stück produziert.
Das Design ist zeitlos und dabei dezent extravagant im Detail. Der Stoff und vor allem die Verarbeitung versprechen eine weit überdurchschnittliche Haltbarkeit. Das, in Kombination mit der Klasse und dem Stil, die die Jeans ausstrahlt sprechen dafür, dass sie gerne, oft und sehr lange getragen wird. Und wie bei allen Ruttloff Jeans ist der Hersteller eine perfekte Adresse für Reparaturen, wenn z.B. irgendwann mal der Stoff im Schritt durchgelaufen ist.

Franz Reuleaux

Von Franz Reuleaux zum Denim-Shop-Logo

Franz und der Storch

Eine der berechtigten Fragen unserer Zeit ist, warum ein heute eher unbekannter deutscher Ingenieur als Ideengeber für ein junges Unternehmen taugt und was das mit unserem byteMyStork-Logo zu tun hat.

Ein Mann der klaren Worte

Franz Reuleaux (1829 – 1905) war ein deutscher Maschinenbau-Ingenieur. Sein Grabstein auf dem Campus der TU Berlin trägt die Inschrift

Franz Reuleaux – dem Forscher und Lehrer, Ergruender des Zusammenhanges der Technik mit Wissenschaft und Leben

[gedenktafeln-in-berlin]

Deutschlandweit wurde er spätestens 1876 bekannt, als er als Vertreter der Reichsregierung von der Weltausstellung in Philadelphia berichtete. Er vertrat in seinen „Briefen aus Philadelphia“ die Ansicht, dass die deutsche Industrie durch billige und schlechte Exponate auffalle [deutsche-biographie]:

Deutschlands Industrie hat das Grundprinzip billig und schlecht

[tu-berlin]
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