oft tragen + selten waschen

Infos rund ums Jeans waschen

Theodor Fontane würde zum Thema “Jeans waschen” sagen: “Es ist ein weites Feld”.
Da das aber nicht viel weiterhilft, haben wir auf dieser Seite einige Tipps in Form unserer 7 (2) Regel zusammengefasst.

Für Jeans gilt wie für die meisten Kleidungsstücke die Devise OFT TRAGEN + SELTEN WASCHEN.
Im Folgenden geben wir Tipps, wie du das Waschen möglichst lange herauszögern kannst und dabei trotzdem immer eine saubere Jeans hast.

Jeans in Waschmaschine
Jeans in der Waschtrommel

Außerdem fassen wir die wichtigsten Pflegetipps zum Waschen zusammen. Denn klar, irgendwann machen die allermeisten Jeans Bekanntschaft mit der Waschmaschine.

Warum NICHT waschen?

Es gibt wohl kaum ein Textil, das von Waschen besser wird. Außer halt sauberer. Jede Wäsche stresst deine Jeans.
Waschen lässt die Farben ausbleichen und stresst das Gewebe. Kommt zusätzlich zur Wäsche auch der Wäschetrockner zum Einsatz, sieht die Bilanz noch schlechter aus. Gerade die hohen Trockentemperaturen und die Walkbewegungen verschleißen den Stoff.

Nachteile der Wäsche:

  • Jeans verliert gleichmäßig an Farbe
  • der Stoff wird dünner
  • Ressourcenverbrauch (Strom, Wasser und Waschmittel)
  • es entsteht Abwasser

Deshalb stellt sich die Fragen, wie wir unsere Jeans sauber bekommen, ohne sie zu waschen bzw. wie wir die Wäsche möglichst lange herauszögern können.

Jeans sauber bekommen ohne sie zu waschen

Viele Verschmutzungen bekommst du einfach mit einer Bürste oder durch Ausschütteln weg. Was ist jedoch mit dem unangenehmen Geruch, der sich irgendwann einstellt, wenn du deine Jeans nicht wäscht?

Zunächst einmal ist dieser Geruch etwas ganz Natürliches. Durchs Tragen nimmt deine Jeans Schweiß und andere organische Dinge wie Hautschuppen auf. Diese bilden eine verlockendes Biotop für Bakterien, die sich genau davon ernähren. Das heißt, dass diese deine Jeans reinigen, indem sie die organischen Stoffeinlagerungen verwerten. Leider riecht das, was diese an sich völlig harmlosen Bakterien da anstellen, nicht rein. Der Grund dafür ist, dass bei der “Bakterienverdauung” übel riechende Gase entstehen. Klingt irgendwie menschlich, kann auf die Dauer jedoch zu gesellschaftlicher Isolation führen. Wer will schon stinken, selbst wenn der Grund dafür ein natürlicher und sogar wünschenswert ist? Damit du deine Jeans trotzdem nicht beim ersten vagen Auftreten von Bakterienaktivität waschen musst hier ein paar Tipps, um deine Hose ohne Wäsche sauber zu bekommen.

  • Draußen aufhängen
    Anstatt eine Jeans zu Waschen, kannst du sie auch einfach eine Nacht lang draußen aufhängen. Ideal sind Nächte mit hoher Luftfeuchtigkeit, wobei du natürlich darauf achten solltest, dass deine Jeans nicht einregnet.
    Der Effekt ist erstaunlich und basiert darauf, dass die Luftfeuchtigkeit sich die Fasern aufrichten lässt, so dass deine Jeans gut durchlüftet wird. Letztlich wirkt die frische Luft wie ein Katalysator für die uns freundlich gesinnten Reinigungsbakterien, die so viel schneller mit ihrem Job fertig werden.
  • Im Bad beim Duschen aufhängen
    Das funktioniert nach demselben Prinzip wie das Draußen aufhängen, nur nicht so gut. Es fehlt halt die frische Luft.
  • Ins Tiefkühlfach legen
    Das funktioniert leider nicht. Wenn du deine Jeans aus dem Tiefkühlfach holst, riecht sie erstmal nicht mehr. Jedoch sind die Bakterien nicht abgetötet, sondern nur “eingefroren”. Sobald deine Jeans wieder Raum- bzw. Körpertemperatur angenommen hat, werden die Bakterien wieder aktiv und weiter geht’s mit der Müffelei. Um deine Jeans mittels Tiefkühlung bakterienfrei zu bekommen, brauchst du mindestens -100°C. Gratulation, wenn du solch ein Tiefkühlfach hast.
  • Chemie
    Es gibt z.B. Sprays, mit denen du einfach deine Hose einsprühst. Das geht sehr schnell: einsprühen und warten, bis deine Jeans nach etwa 10min wieder trocken ist. Allerdings enthalten diese Sprays Konservierungsmittel/Fungizide wie Methylisothiazolinon und  Methylchlorisothiazolinon, auf die du bei ungünstiger Disposition allergisch reagieren kannst.
    Einer der Hersteller ist die Firma DFNS.

Die Methode “Draußen aufhängen” funktioniert sehr gut, jedoch nach unseren Erfahrungen nicht endlos. Es sei denn, du kannst eine Hose auch mal mehrere Tage und Nächte draußen lassen. Dann solltest du darauf achten, dass die deine Jeans nicht der Sonne ausgesetzt ist. Für die meisten ist jedoch irgendwann die Wäsche unumgänglich.

Jeans waschen

Wenn sich eine Wäsche nicht vermeiden lässt, empfehlen wir dir folgende Tipps:

Die 7 (2) Regel der Jeans-Wäsche

  1. Wasche Deine Jeans nicht.
    Hänge sie einfach ab und zu ein paar Stunden zum Lüften raus, nur nicht in die pralle Sonne.
    Wenn Regel 1 nicht mehr möglich ist, treten automatisch Regeln 2 bis 7 in Kraft.
  2. WASCHVORBEREITUNG UND -TEMPERATUR: Drehe Deine Jeans vor dem Waschen auf links und schließe den Knopf bzw. Reißverschluss. Wasche nach Angaben ihres Herstellers. Das heißt insbesondere, die empfohlene Temperatur zu verwenden. Wenn der Hersteller 30°C empfiehlt, wasche bei 30°C. Wenn der Hersteller 40°C empfiehlt, wasche Sie (zumindest beim ersten Mal) bei 40°C und nicht bei 30°C.
  3. WASCHMITTEL UND WEICHSPÜLER: Verwende am besten ein Feinwasch- oder Wollwaschmittel. Weichspüler und Bleiche sind tabu.
  4. SCHLEUDERN: Verzichte nach Möglichkeit auf den Schleudergang bzw. schleudere bei einer niedrigen Drehzahl (400 U/min).
  5. WÄSCHETROCKNER: Erspare Deiner Jeans die Bekanntschaft mit einem Wäschetrockner. Wenn es doch unbedingt sein muss, wähle ein Schonprogramm mit geringer Temperatur, das noch etwas Restfeuchte belässt (also nicht “Schranktrocken”).
  6. TROCKNEN: Ziehe die Hose zunächst glatt und lass sie einfach an der Luft trocknen. Sorge dabei für gute Belüftung, aber vermeide direkte Sonneneinstrahlung. Und hänge sie bitte nicht vor den heißen Kamin und lege sie auch nicht auf die warme Heizung.
  7. BÜGELN: Knitter durchs Waschen verschwinden bei Tragen schnell von alleine, so dass Bügeln nicht unbedingt nötig ist. Wenn Dich die Waschknitter stören, hänge die trockene Hose einfach während des Duschens im Bad auf. Der Stoff nimmt etwas Feuchtigkeit auf und glättet sich von selber. Das ist besonders schonend. Wenn Du sie noch glatter oder schnell knitterfrei bekommen willst, bügele Deine Jeans “auf links”. Bügeln schadet nicht. Das machen die Hersteller auch. Bei Modellen mit Elasthan-Anteil solltest Du auf niedriger Stufe bügeln.

Jeans reinigen

Alternative zu Regel 2 bis 7:
Wenn Du eine wirklich gute chemische Reinigung kennst, kannst Du Deine Jeans dort reinigen lassen. Es muss aber Trockenreinigung sein. Die Hose behält zu 100% ihre Passform und die (in den meisten Fällen) gewünschten Alterungseffekte wie “Auswaschungen” und Aufrauhungen treten trotzdem ein.
Viele Hersteller raten von einer chemischen Reinigung ab. Das liegt daran, dass die Hersteller von einer “Standard” chemischen Reinigung ausgehen und deshalb auf Nummer Sicher gehen.

Je nachdem, wie stark Deine Jeans in der Produktion vorgewaschen wurde, solltest Du sie bei den ersten Wäschen nur mit gleichdunklen Sachen zusammen waschen. Je weniger vorgewaschen Deine neue Jeans ist, desto eher wird sie beim Waschen Farbe verlieren. Das gilt besonders für Raw Denim.
Es gibt aber auch Jeans, die nicht sonderlich dunkel wirken, aber extrem abfärben.

Bei allen Jeans-Modellen, bei Denen eine spezielle Reinigung notwendig ist, ist dies in der Artikelbeschreibung angegeben.

Galerie typischer Wascheffekte

Bei zu hoher Drehzahl geschleudert

Das Schleudern mit zu hoher Drehzahl kann gerade bei dunklen Jeans zu ungewollten Längsstreifen führen. Durch hohe Drehzahlen wird die Jeans durch die Rotationskräfte stark zusammendrückt an die Trommel gedrückt. Es entstehen dabei Stoffkanten, an denen sich bei Reibung während des Schleuderns die Farbe abreibt. Praktisch ist das ein meist unerwünschtes Fading im Zeitraffer.

Im folgendem Fall einer Kuyichi Nora Loose Tapered Black war die Jeans zum Zeitpunkt der Fotos etwa acht Wochen getragen und dreimal gewaschen. An sich entwickelt diese Hose sehr schöne Ausfärbungen (siehe z.B. der Bund und der Saum). Leider wurde sie zu stark geschleudert, so dass deutlich sichtbare Längsstreifen entstanden sind.

Zu heiß gewaschen bzw. zu heiß getrocknet?

Wir wissen nicht genau, was dieser vorne im Bild dargestellten Jeans passiert ist. Viel spricht dafür, dass die Hose zu heiß gewaschen oder zu heiß getrocknet wurde. Der extreme Farbverlust weist ebenfalls auf starken Waschstress hin. Dazu kommt, dass die Hose im Schritt eingerissen ist, was in der kurzen Zeit auf Materialabnutzung durch Waschen hindeutet.

Trockenreinigung mit KWL

Die meisten Jeans-Hersteller raten von einer Trockenreinigung ab. Das liegt vermutlich an einzelnen schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit. Eine gute chemische Reinigung ist jedoch sehr materialschonend.
Viele Reinigungsunternehmen haben mittlerweile von Perchlorethylen auf KWL (Kohlenwasserstofflösung) umgestellt. KWL reinigt noch schonender. Was für empfindliche Anzüge und Seide funktioniert, kann auch für eine Jeans nicht verkehrt sein.

Wir haben gute Erfahrungen mit der Exquisit Textil Reinigung in Bad Vilbel gemacht.
Die dortige KWL-Wäsche führt nur zu einem sehr geringen Ausbleichen des Stoffes. Außerdem ist die Schrumpfung sehr gering. Die durch das Tragen aufgehellten Stellen werden durch die Wäsche noch heller und damit die Kontraste der Hose insgesamt stärker.

Im folgenden Fall wurde eine Johann-Ruttloff H3 nach 205 Tragetagen ohne Wäsche einer chemischen Reinigung unterzogen. Die Hose ist dabei etwa 1cm in der Länge und in der Weite etwa 0,5cm geschrumpft.
Die Reinigung erfolgte bei der Exquisit Textil Reinigung in Bad Vilbel. Diese Firma verwendet KWL und schleudert bei 600 U/min.

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